Neudorf vom Landwirtschafts- zum Industriegebiet- vom Industriegebiet zum Wohngebiet


Außerhalb der Stadtmauern hatte jeder Stadtteil Duisburgs gegen Mitte des 18. Jahrhunderts seinen eigenen Charakter. Was aber an diesen Gebieten sofort auffiel, waren nicht ihre Abweichungen untereinander, sondern eher der Gegensatz zum Stadtkern Duisburgs. Die Randgebiete besaßen ebenso einen höheren Anteil an Haushalten in Einfamilienhäusern wie auch eine größere Zahl von Landarbeitern und Anhängern der römisch- katholischen Kirche.

Dies war besonders deutlich im Fall des Stadtteils „Neudorfs“ zu sehen. Außerdem bestimmte zu dieser Zeit so sehr die Berufsstruktur Neudorfs, dass es keine Fabrikarbeiter oder in Handel und Gewerbe beschäftigten Personen gefunden werden konnten. Ferner gab es unverheiratete Personen im Alter von fünfzehn Jahren und darüber in relativ großer Zahl. Die spiegelte die starke Konzentration von Familien mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen wider, die noch zu Hause lebten. Im Vergleich zu Neudorf war im Stadtteil Duissern die berufliche Zusammensetzung erheblich komplexer.

Hier konnte eine relativ hohe Zahl Konzentration an ungelernten Gelegenheitsarbeitern gefunden werden, die zu der großen Zahl der Landarbeiter hinzukamen.

Neudorf hatte einen niedrigen Anteil an unverheirateten Erwachsenen, aber eine ziemlich hohe Zahl an Untermietern. Es war ebenso „ein Dorf der jungen“  (null bis vierzehn Jahre) und den der älteren Generation (65 Jahre und darüber).

Neudorf wurde von der gleichen Art der Umwandlung erfasst wie viele andere äußere Expansionsgebiete, da Fabriken und Industrie allmählich immer mehr  die landwirtschaftlichen Höfe ersetzten. Westlich der Köln-Mindener Eisenbahnlinie war um 1890 keine Beschäftigung im landwirtschaftlichen Sektor mehr aufzufinden. Dieses Gebiet, bestehend aus Hochfeld, Musfeld und Wanheimerort, war weitaus stärker industrialisiert als ein halbes Jahrhundert zuvor.



Einige historische Daten und Fakten aus dem Jahre 1843 zum Vergleich zur Innenstadt:



1843 betrug die Anzahl der im Handwerk beschäftigten Personen in der Innenstadt 37,7 %, im Vergleich zu Neudorf nur 9,1%. Landwirtschaft Innenstadt 2,4%, im Vergleich zu Neudorf 63,6%.

1843 betrug die Sozio- ökonomische Schicht in der Innenstadt der freiberuflichen u. höheren Angestellten 6,6%, im Vergleich zu Neudorf 0,0%

Geschäftsinhaber u. kleinere Angestellte in der Innenstadt 14,5%, im Vergleich zu Neudorf 73,1%

1843 betrug die Wohndichte  in der Innenstadt (Einfamilienhaus) 18,9%, im Vergleich zu Neudorf 55,6%

1843 betrug die Wohndichte im Mehrfamilienhaus (vier Haushalte) Innenstadt 17,3%, im Vergleich zu Neudorf 0,0%

In Neudorf  wurde1856 die Zeche „Neu-Duisburg“ gegründet. Zahlreiche Großfabriken siedelten sich in Neudorf an, wie z.B.:

Carstanjen Dachpappenfabrik

Felix Bischoff Gussstahlfabrik

Westdeutsche Draht und Kabelwerke

Baumwoll-Spinnerei& Weberei Otto Böninger

Duisburger Buntweberei Kohlstedt & Crone

Weinessig-Fabrik Fastrich

Rohlmannwerke AG Landmaschinen u. Metallwaren

sowie zahlreiche weiter kleinere u. mittlere Industriebetriebe.

Durch die Ansiedlung der Großindustrie wurde die Flächennutzung der Landwirtschaft auch  in Neudorf,  mit seinen nicht unerheblich vorhandenen großen Flächen immer kleiner.

Immer mehr der ursprünglichen Kolonistenfamilien Neudorf die bisher ihre Flächen landwirtschaftlich nutzten und sowie weitere Eigentümer mit Landbesitz,  gingen aus wirtschaftlichen Gründen dazu über, ihr Land an Industrielle und Firmengründer zu veräußern.

Die Zeit der Industrialisierung Neudorfs hatte damit eingesetzt und die Landwirtschaft verschwand aus dem Blickfeld Neudorfs.

Dieser Boom war jedoch nicht von sehr langer Dauer, den die meisten der genannten Großwerke haben bereits gegen Anfang
des 19.Jahrhunderts den wieder Betrieb eingestellt, bzw. wurden durch andere Großunternehmen aufgekauft oder verlagerten ihren Firmensitz.

Erst gegen Anfang der 60-er Jahre begann man in Neudorf mit der Umwandlung der ehemaligen, freigewordenen Industrieflächen in Wohngebiet, Nutzung der Flächen für Kleinbetriebe,  Nutzung der frei gewordenen Flächen für den Bau einer  Schule sowie später auch Ansiedlung von namhaften Großmarkt-Ketten.

Heute zählt Neudorf wieder zu einem bevorzugten Stadt/Wohngebiet, mit idealen Verkehrsanbindungen, einem sehr hohen Freizeitangebot durch Anbindung des Sportparks Wedau und dem direkt angrenzenden Gebiet des Duisburger-Waldes.

Quelle der historische Daten: Duisburger Forschungen, 33.Band, Walter Braun Verlag 1985



 
 
Bischoff-Werke
 



Duisburger Eisenbahnen 1879

Neben den Häfen ist der Ausbau der Eisenbahnen einer der bedeutsamsten Faktoren für die industrielle Entwicklung Duisburgs geworden. Als erste Eisenbahn erreichte die Köln-Mindener Eisen- bahn Duisburg im Jahre 1846; im nächsten Jahr war die Verbindung nach Ober- hausen hergestellt. Die Duisburger Häfen wurden durch eine Zweigbahn angeschlossen. Die Eisenbahnen wurden damals von Privatfirmen gebaut, die sich heftig befehdeten. Auch die heute noch bestehende Streckenführung in Duisburg ist auf die damalige Konkurrenzsituation zurückzuführen. Die Bergisch-Märkische Bahn stellte 1862 die Verbindung nach Dortmund über Mülheim her. In den Industriebetrieben wurden umfangreiche Eisenbahnanlagen mit Anschluß an das öffentliche Netz erstellt.